Crazy Stuff & Erotics...( Autoren: Mixed
 
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Naivität par excellence.
Sommer 99 gelüstete es mich nach einer neuen beruflichen Herausforderung. Der Angestelltenjobs überdrüssig musste doch irgendwie anders viel Geld zu machen sein und bitte nicht schon wieder kellnern, denn mir stand der Sinn nach etwas mit Stil und Contenance - keinesfalls nach dicken Füssen vom Bier ranschleppen, bzw. einem dicken Portemonnaie dank haufenweise Kleingeld. Großgeld sollte her, grooosse Scheine - haufenweise!
Viel Geld, wenig Einsatz, spannend, unterhaltsam,‘was mit Menschen‘- denn mit Menschen kann ich, obwohl ich immer behaupte: "nee,kann ich überhaupt nicht."(ich KANN es auch NICHT, aber mir glaubt ja keiner...)
Weiter mit dem ultimativen Job: die Quersumme lies nur eine Antwort zu: Domina. Ganz klar. No doubt. Absolut logo.
Weil ich nämlich über einen strengen Blick verfüge, der ja über die Hälfte der Dominamiete ausmacht.
Mit meinem strengen Blick sah ich meinen kometenhaften Aufstieg in der Dominaszene genau vor mir. Da gingen ja wohl nur gebildete und wohlhabende nette Herren hin, die sonst gar nicht SO waren... ab und an war es all diesen Managern, Bankdirektoren, Staatsanwälten, Richtern und was weiss ich (fürwahr!) lediglich nach einer kleinen Abwechslung. Sie würden mich alle respektvoll behandeln, sehr viel Geld da lassen, meine Stammkunden werden - quasi Freunde ...und zack: ausgesorgt!
Dafür würde ich sie prosaisch niederzischen, ein wenig peitschen, nett verhöhnen, vielleicht ein bischen den Sack abbinden, aber hauptsächlich in atemberaubenden Outfits streng und schön mich an ihrer Bewunderung weiden.
Das ganze bitteschön nicht in irgendeinem schmierigen Etablissement sondern (natürlich!)im besten Haus am Platze.
Um dieses beste Haus herauszufinden schlenderte ich - as lässig as I could (als täte ich den lieben langen Tag nichts anderes) in einen Sex-Shop und erstand den "NRW Domina-Führer", der hurtig im Kreise meiner Freundinnen (die mir beim ernsthaften Stellenmarkt sondieren und ausarbeiten meiner Bewerbungsunterlagen helfen sollten) für eine Menge Gestaune und Gelächter sorgte. Ich bekam erste Zweifel an meinem Karriereplan - die wirkten alle durch die Bank weg schmierig und unangenehm. Bis auf (ha!) das "Domizil der Gräfin"- wenn das nicht Bestimmung war! (das ist ein Insider. Was für Kenner - vom Fachmann)
Anrufend meldete ich mich artig am Telefon mit Vor-und Nachnamen, um dann mein Bewerbungssprüchlein aufzusagen."Vorname reicht!" Kläffte es mir entgegen. Frau, ca.70 Jahre alt, mit einer Stimme die nach zwei Packungen Reval ohne Filter pro Tag, Mettbrötchen und ungewaschenem Schritt klang: "komma montach vorbei."
"Oh ja,gerne" flötete ich,"soll ich irgendwas mitbringen?" und suchte dabei im Geiste mein Abiturzeugnis.
"nä...watt denn?"
Ja genau...watt denn? MONTAG! WAS sollte ich bloß anziehen?
Es war Hochsommer, womit der schwarze Ledermantel schon mal flach fiel. Mit dem war mein Arsenal an Dominaoutfits auch leider schon ziemlich erschöpft....
Letztendlich High-heelte ich mich in viel engem Schwarz durch einen sehr sehr warmen Montag zum "Domizil". Mit Straps und Strumpf, unter der Bluse ein rasanter Spinnennetz-BH: Holla, die strenge Domina ward schon geboren...
Empfangen wurde ich in einem unauffälligen Reihenhäuschen am schicken Stadtrand von Mai-Ling, sexy Koreanerin.
Ganz à la „barbarella meets marquis de sade“ führte sie mich durch einen langen dunklen Flur, welcher (oh heiliger Stilbruch!)in einem plüschigen Wohnzimmer Ambiente mündete.
Mai-Ling und ich setzten uns erstmal auf ein Getränk („rio d’oro“ Apfelsaft von Aldi) kuschelig aufs Sofa. Vor mir ein Couchtisch mit Zierdeckchen nach kasachstanischer Machart.
Darauf eine Bleikristallschale mit ‚Raffaelo‘ nebst besagtem "rio d’oro“ und fächrig drapierten Fotos der bereits angestellten Damen.
"Aha" dachte ich mir schlau, "hier sitzen dann wohl die Herren und suchen sich was nettes aus, den Mund voll widerlichem Raffaelo, gießen sie sich schnell was Apfelsaft aus dem Tetra Pak nach und treffen dann eine überstürzte Entscheidung unter Zuckerschock."
Mai-Ling musterte mich erstmal ordentlich, so eine Anstellung will im Vorfeld wohl geprüft werden: Ob ich schonmal gearbeitet hätte?
"Oh ja!" rief ich eifrig, die verschiedensten Dinge: Bücher verkaufen, kellnern, layouten, Werbegrafiken, krankenschwestern....ach, nicht zu vergessen: Au-Pair Mädchen...
Mai-Ling war nicht unbedingt begeistert: "Ick meine in Sstudio. Hat du sssonmal in Ssstudio geaabaitet?"
Zutraulich verriet ich ihr, dass ich zwar noch nie im Studio gearbeitet hätte, mich aber für eine unglaubliche Naturbegabung hielte und bestimmt nur eine sehr kurze Anlernphase benötige. Vielleicht könne ich erstmal zugucken, ja?
ZUGUCKEN???!!! Wie ich mir meine Tätigkeit denn so vorstelle? Ob mir klar sei, dass ich als Zofe starten würde??!!
Zofe? Scheiße !!! Pokerfacewahrend grübelte ich, was wohl der Zofenjob beinhaltet, derweil Mai-Ling mir in feinstem Pekinesendeutsch ansagte wie mein Äußeres auszusehen habe:
"Muttu de Fingenägel lot aben. Muttu auk de Futnägel lot aben. Un de Lippetift auk!"
Oh je,DAS würde schwierig. Lippetift kann ich nämlich nicht leiden.
"Muttu du auk de ssexy wässe tlagen!"
Beflügelt vom Gedanken, hier gleich nur raus ins Taxi und ab nach Hause, riss ich übermütig meine Bluse auf und präsentierte Mai-Ling mein Spidernet. Haha, jawoll, da guckste aber Mai-Ling!
Die guckte tatsächlich angetan und zählte mir die unangenehmen Tätigkeiten einer Zofe auf. Ich nickte heuchlerisch begeistert zu allem: Blasen? Klar. Anal? Prima. Gang Bang? Null Problemo. Gesundheitszeugnis? Jau, bring ich mit.
Wir haben meinen ersten Arbeitstag klargemacht und ich bin ab durch den dunklen Flur ins Taxi, die Dominalaufbahn an den Nagel hängend, selbstüberredend mir alle Vorzüge vom Kellnern klarmachend.
Und das hab ich dann auch wieder gemacht. Gekellnert.

     
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